G8 oder G9 ?

Vor dieser Frage stehen immer wieder viele Eltern, wenn ihr Kind nach der Grundschule eine weiterführende Schule besuchen soll.

Denn seit einigen Jahren ist in Hessen an den Gymnasien die Schulzeit (nach der Grundschule) bis zum Abitur auf acht Jahre (G8) verkürzt worden. An den Gesamtschulen ist dagegen noch eine Regelschulzeit von neun Jahren bis zum Abitur (G9) möglich - individuell aber auch eine Schulzeitverkürzung.

Bei der Einführung der Schulzeitverkürzung wurde und wird häufig mit einem früheren Eintritt in das Berufsleben geworben. Im Hintergrund könnten auch noch finanzielle Erwägungen der Bundesländer eine wesentliche Rolle gespielt haben.

Da die Lehrpläne mit der Schulzeitverkürzung aber nicht in entsprechendem Maße gekürzt, sondern nur verdichtet worden sind, kommt auf die G8-Schüler/innen eine höhere zeitliche und psychische Belastung zu. Diese resultiert sowohl aus dem zunehmenden Nachmittagsunterricht, einem verstärkt frontal geführteren Unterricht als auch aus einem gesteigerten Lerntempo bei verringerten Vertiefungs- und Wiederholungsphasen.

Insbesondere letzteres führt bei vielen Schüler/inne/n jedoch zu verstärktem Nachhilfebedarf, der wiederum die soziale Auslese fördert. Außerdem gibt es inzwischen zahlreiche Hinweise darauf, dass von den Eltern erwartet wird, mit ihren Kindern Unterrichtsdefizite zuhause aufzuarbeiten.

Durch die eingeschränkte oder fehlende Zeit für die individuelle Entwicklung der Kinder zeichnet sich bereits jetzt eine ansteigende Zahl der Nichtversetzungen sowie der Querversetzungen in andere Schulformen ab. Welche Folgen die Schulzeitverkürzung in der schwierigen Phase der Pubertät noch haben wird, kann derzeit nur vermutet werden.

Inzwischen wird auch von maßgeblich an der Schulzeitverkürzung beteiligten Bildungspolitikern eine Lehrplan- und Stundenkürzung diskutiert und damit aber auch eine Absenkung der  gymnasialen Bildungsansprüche.

An den Gesamtschulen ist dagegen die bewährte neunjährige Schulzeit bis zum Abitur die Regel. Denn durch den weniger verdichteten und dadurch auch umfassenderen Lernstoff erhalten die Kinder und Jugendlichen mehr Freiraum für ihre persönliche Entwicklung und damit eine bessere Bildung.

Dennoch ist auch an der Gesamtschule eine verkürzte Schulzeit möglich. Während jedoch am Gymnasium alle Schüler/innen - ohne Rücksicht auf ihre jeweilige Entwicklungsstufe - zu einer beschleunigten Schullaufbahn gezwungen sind, ist diese an der Gesamtschule freiwillig.

So kann an der GGO ab dem Ende der Jahrgangsstufe 8 - wenn die persönliche Entwicklung der Schüler/innen bereits weit fortgeschritten ist - in Abhängigkeit von der individuellen Leistungsstärke das Überspringen eines Schuljahres angestrebt werden. Dies wird durch die Teilnahme an entsprechenden Sprungkursen unterstützt, in denen Lerninhalte bereits "vorgearbeitet" werden. Wenn dies erfolgreich ist, so können zwei Halbjahre der  Jahrgangsstufen 10 und 11 übersprungen werden. Gerade die Schulhalbjahre 10.2 und 11.1 bieten sich dabei für ein Überspringen an, da in ihnen relativ wenig neuer Lehrstoff vermittelt werden muss. Zudem können Schüler/innen in diesem Alter wesentlich besser und motivierter einschätzen, ob sie ihre Schulzeit verkürzen wollen oder nicht.

  Sehr lesenswerter Artikel von "Spiegel online" zu den Konsequenzen von G8

  sowie bei "Die Zeit" zu den Folgen von G8


MINT-Fächer

Zu den sog. MINT-Fächer zählen Mathematik, Informatik, die Naturwissenschaften Biologie, Chemie und Physik sowie Technik/Arbeitslehre. Sie sind die Grundlage unserer technischen und wissenschaftlichen Zivilisation und damit auch unseres Entwicklungs- und Wohlstandes.

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