Kooperationsprojekte mit Schulen in Wenzhou geplant

Heimische Schulleiter über ihren Austausch in Gießens chinesischer Partnerstadt

(fod). Unvergessliche Eindrücke und konkrete Kooperationsprojekte für die Zukunft hat eine Delegation heimischer Schulleiter aus Gießens chinesischer Partnerstadt Wenzhou mitgebracht. Organisiert vom Staatlichen Schulamt hielten sich Vertreter der Leitungen von Liebigschule (LS), Gesamtschule Gießen-Ost (GGO), Friedrich-Feld-Schule (FFS) und Theodor-Litt-Schule (TLS) fünf Tage in der Neun-Millionen-Metropole auf. Und davon zwei Tage an denjenigen Schulen, die chinesische Schulbehörden für sie als geeignete Partner ausgesucht hatten.

„Wir sind ausgesprochen herzlich aufgenommen worden“, sagte Schulamtsleiter Heinz Kipp, als er gestern mit fünf Kolleginnen und Kollegen Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz sowie Schuldezernentin und Partnerschaftsbeauftragter Astrid Eibelshäuser Bericht erstattete.

Während des Aufenthalts im Reich der Mitte bestand ausreichend Gelegenheit, das dortige Schulsystem kennenzulernen. So hatte TLS-Leiter Joachim Scherer „der hohe Wissensdurst und die Disziplin der Schülerinnen und Schüler“ beeindruckt. Was laut Elizabeth Regan von der Schulleitung der FFS gleichzeitig mit „großer Motivation“ verbunden sei. Dabei werde „alles aus dem Westen wie Gold“ betrachtet. Dr. Frank Reuber, stellvertretender GGO-Leiter, stellte denn auch ein „extrem hohes Interesse“ am Aufbau von Kooperationen mit westlichen Partnern fest. Dass viele offene Gespräche möglich waren, lag vor allem an den von Heinz Kipp geschilderten „wesentlich besseren Englischkenntnissen“ der Leute, die sie trafen. „Vor vier Jahren hatten wir noch Übersetzer gebraucht“, erinnerte er sich. Eines hatte sich aber nicht geändert: „Ein Parteisekretär war immer dabei“, berichtete Joachim Scherer. Umso mehr erstaunte Frank Reuber, „dass wir auch Themen ansprechen konnten, bei denen wir das vorher nicht erwartet hatten“, sei es nun die Tibet-Frage oder Umweltverschmutzung. Dabei kam Kerstin Gromes vom Staatlichen Schulamt zu dem Schluss, dass viele Chinesen „sich in hohem Maße mit dem System arrangieren und es nicht so infrage stellen“, wie dies der Westen tut.

Um die verabredeten Kooperationen zu realisieren, möchte das Schulamt im Laufe dieses Jahres eine Delegation aus Wenzhou nach Gießen einladen. Doch schon vorher werden die ersten Unterrichtsprojekte auf den Weg gebracht. So stellt sich Joachim Sieben, stellvertretender Leiter der Liebigschule, für den Einstieg E-Mail-Partnerschaften von Schülern aus Wenzhou und Gießen vor. Während sich Austausche in den gemeinsamen Schwerpunktbereichen Musik oder Naturwissenschaften anböten. An der FFS plant man laut Elizabeth Regan die Einrichtung einer Chinesisch AG und findet den Austausch gerade für angehende Außenhandelskaufleute interessant. Die GGO hat bereits eine gemeinsame Lernplattform aufgebaut, um Erfahrungen bezüglich Deutsch- und Chinesisch-Unterricht auszutauschen, und plant, so Frank Reuber, das „Abenteuer Schüleraustausch mit China“. Wohingegen Joachim Scherer die Partnerschule als „hervorragend zur TLS passend“ sieht, da man gleiche Schwerpunkte in IT- und CNC-Technik habe. Bis zu zehn Schüler aus Wenzhou sollen eingeladen und für sie mit dualen Partnern Betriebspraktika organisiert werden.

Dietlind Grabe-Bolz und Astrid Eibelshäuser dankten den Reisenden, Gießen so gut in Wenzhou vertreten zu haben. „Eine Städtepartnerschaft lebt vor allem von den Menschen“, betonte die OB. Daraus würden sich „enorme Chancen für die Menschen in Wenzhou wie auch für uns“ ergeben, so Grabe-Bolz. Während laut Eibelshäuser „eine Städtepartnerschaft nur dann Zukunft hat, wenn es uns gelingt, dass sie vor allem von der jungen Generation gelebt wird“. Gerade hier müssten Möglichkeiten für Kontakte und Begegnungen geschaffen werden.

Gießener Anzeiger  vom 18. Februar 2012

Schulleiter in Wenzhou. Foto: DocterEinige der Delegationsteilnehmer - ab 3.v.l.: Frank Reuber (GGO), Elizabeth Regan (FFS), Heinz Kipp, Kerstin Gromes, Joachim Sieben (LS), Joachim Scherer (TLS) - erstatteten OB Dietlind Grabe-Bolz und Stadträtin Astrid Eibelshäuser Bericht. Foto: Docter
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