„Erst nachdenken, dann posten“
Pädagogischer Tag an Ostschule befasst sich mit Internet und Cybermobbing
(fod). Was die Nutzung des Internets und sozialer Netzwerke angeht, sind Kinder und Jugendliche ihren Eltern meist weit voraus. Sie versenden E-Mails und Fotos, sind in den verschiedensten Online-Foren unterwegs und nutzen das weltweite Netz nicht selten auch für die Erledigung ihrer Hausaufgaben. Es waren jedoch die Gefahren des Internets wie Cybermobbing und unkontrollierte Datenpreisgabe, die jetzt im Mittelpunkt des Pädagogischen Tages für Eltern an der Gesamtschule Gießen-Ost (GGO) standen. Der veranstaltende Elternbeirat hatte dazu mit Antje Suppmann, Jugendkoordinatorin beim Polizeipräsidium Mittelhessen, und Psychologie-Doktorandin Nina Schärtner kompetente Referentinnen eingeladen. Letztere hatte im Rahmen ihrer Examensarbeit an der Justus-Liebig-Universität, „Kinder stärken sich selbst im Medienzeitalter“, den Film „Ein geiles Los“ produziert, der mit Schülern der Gesamtschule Gießen-Ost gedreht worden war.
Nach der Begrüßung aller Teilnehmer in der Mediathek der Schule durch Leiter Heribert Ohlig berichtete Suppmann, dass heute 93 Prozent aller Jugendlichen regelmäßig online seien, wenn nicht mit dem eigenen Computer von ihrem Zimmer aus, dann beim Besuch von Internetcafés oder Freunden. Gleichzeitig hätten in einer Umfrage unter Eltern 80 Prozent dieser zugegeben, dass ihnen das Know-how fehle, um überhaupt nachvollziehen zu können, was ihre Sprösslinge am Bildschirm alles treiben.
Vor allem die unbedachte Preisgabe von persönlichen Daten und Bildern in sozialen Netzwerken wie Facebook oder SchülerVZ schockierte manche Zuhörer, denn nicht selten würden im Spaß, etwa bei Partys, aufgenommene Fotos online jedermann zugänglich gemacht, so die Polizeioberkommissarin. „Jahre später bei einem Vorstellungsgespräch wird man dann plötzlich wieder damit konfrontiert. Was einmal im Internet steht, wird für immer dort sein“, warnte sie. „Deshalb erst nachdenken, dann posten.“ Weitere drohende Gefahren seien sexuelle Belästigungen und Cybermobbing. Verbales Mobbing, das morgens und mittags in der Schule stattfinde, „wird dann abends über das Internet weitergeführt“. Das reiche vom Verbreiten falscher Gerüchte bis hin zur Öffnung ganzer Onlineseiten. „Mobbing ist ein Straftatbestand, und kein Kinkerlitzchen“, gab Suppmann zu bedenken und konnte von mehreren Fällen berichten, bei denen die Polizei tätig wurde.
Nina Schärtner zeigte danach den Film „Ein geiles Los“, aus dem inzwischen ein bundesweiter Film- und Theaterwettbewerb hervorgegangen ist. Die 16- bis 18-jährigen GGO-Schülerinnen und -Schüler zeigen darin in verschiedenen Szenen, wie Schülerselbststärkung im Falle von Mobbing und anderer Beleidigungen gelingen kann. Im Gespräch mit den anwesenden Eltern versuchte die Psychologin dann gemeinsam herauszufinden, welchen unterstützenden Beitrag diese dazu leisten können, damit ihre Kinder einen Weg aus der Krise finden. Und so wurden allerhand Erfahrungen und Anregungen zusammengetragen.
Giessener Anzeiger, 15.11.2011







