»Garant für anspruchsvolles Bildungsniveau«
Förderverein der GGO feierte 20-Jähriges — Land darf sich nicht aus Verantwortung stehlen
Gießen (srs). Sein Grußwort eröffnete der Leiter der Gesamtschule Gießen-Ost mit einer Antwort: »Nein«, hielt Heribert Ohlig fest. Der Förderverein, ergänzte er, sei für die Ostschule unentbehrlich. Die Frage zu der Antwort hatte zuvor die Gründungsvorsitzende des Freundes- und Förderkreises der Integrierten Gesamtschule, Gabriele Kessler, aufgeworfen: »Geht Schule ohne Förderverein?«
Danksagungen für ehrenamtliches Engagement und für Verdienste wie die Renovierung von Klassenräumen bestimmten am Freitag die Feier zum 20-jährigen Jubiläum des Fördervereins der Ostschule. Zu den Glückwünschen gesellten sich indes Bekundungen der Sorge, dass Fördervereine zunehmend Aufgaben übernehmen, die eigentlich die öffentliche Hand erfüllen müsste.
Sieben Gründungsmitglieder riefen den Verein im August 1991 ins Leben. »Die Werbetrommel zu rühren war anfangs mühsam«, erinnerte sich Kessler während der Feierstunde in der Aula der Ostschule. Inzwischen gehören dem Förderkreis derweil 749 Menschen an - die Zahl hat sich in den letzten sechs Jahren verdreifacht. Der wachsende Kreis der Förderer, so betonte die heutige Vorsitzende Sybilla Bostedt in ihrer Festansprache, »gibt uns die Möglichkeit, den Gedanken der Gleichstellung aller Schüler dieser Schule, unabhängig ihres Hintergrunds, in großzügiger Weise verfolgen zu können.«
Der Verein unterstützte die Schule in den vergangenen zwanzig Jahren im Rahmen von Projekten mit insgesamt rund 100000 Euro. Der Förderkreis half unter anderem, die neuen Fünftklässler in renovierten Räumen zu begrüßen, das Kiosk zu sanieren und die Reihe »CulturCafé Ost« wieder zu beleben. Darüber hinaus versorgt der Verein die Bläserklasse mit Instrumenten und greift Schülern unter die Arme, die ohne finanzielle Hilfe an Klassenfahrten nicht teilnehmen könnten.
»Größere Herausforderung«, kündigte Bostedt an, »ist die Begleitung der Ausstattung der frei werdenden Räume der Helmut-von-Bracken-Schule, die unsere Oberstufenklassen beziehen werden.«
Als »quicklebendiges Geburtstagskind« würdigte Schulleiter Ohlig den Verein, hob das ehrenamtliche Engagement hervor und dankte im Besonderen den drei bisherigen Vorsitzenden. Angesichts einer Zunahme von privaten Schulen nur für Kinder wohlhabender Eltern garantierten der Förderverein und der Schulelternbeirat, dass die Ostschule weiterhin ein anspruchsvolles und ansprechendes Bildungsangebot aufweisen könne. Allerdings dürfe sich die öffentliche Hand nicht »aus der Verantwortung stehlen«, mahnte Ohlig.
Grußworte sprachen auch Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, die die Integrierte Gesamtschule Gießen-Ost als »Idee und Überzeugung für Chancengleichheit und des SichEinmischens« würdigte, sowie die stellvertretende Vorsitzende des Schulelternbeirats, Markéta Roska.
Einen Gastvortrag hielt der Leiter des Mathematikums, Prof. Albrecht Beutelspacher. Zuvor stand er Schülern in Interviews Rede und Antwort. »Wo endet Mathematik?«, fragte beispielsweise der Achtklässler Oguz Dogruyol. »Sie hat ihre Grenzen«, antwortete Beutelspacher. »Mit Mathe kann man ein Musikstück vielleicht analysieren.« Doch niemals lasse sich damit die Musik und ihre Schönheit wirklich erklären.
Die Chorklasse 6e unter Leitung von Elke Kurth eröffnete den Abend.
Gießener Allgemeine vom 19. September 2011







