Bevor die Lehrkräfte aufgefordert waren, sich über das Leitbild ihrer Schule auszutauschen, stellte Herr Prof. Burow dar, welchem radikalen Wandel unsere Gesellschaft unterworfen ist und welche Herausforderungen sich für Schule daraus ergeben. Er ging besonders auf die Entwicklung digitaler Medien und Technologien ein, die rasant voranschreitet. Das deutsche Bildungssystem, geschaffen vor 200 Jahren in Hinblick auf eine ganz andere Gesellschaft, sei nicht in der Lage, den Veränderungen zu begegnen. Die Schule der Zukunft müsse anders gestaltet sein und sieben Entwicklungen, so genannten „Trends“, Rechnung tragen.

Ein Trend sei die Digitalisierung, der man als Bildungsinstitution mit Vermittlung von Medienkompetenz und der Schulung von Urteilsfähigkeit begegnen müsse. Ansonsten liefen besonders die jungen Generationen Gefahr, „den Kampf gegen die Maschinen zu verlieren“, wie Burow den chinesischen Unternehmer und Multi-Milliardär Jack Ma zitierte. Denn die Nutzung digitaler Medien sei immer eine Gratwanderung zwischen den Gefahren einer Abhängigkeit und den Chancen einer sinnvollen, kritisch-kreativen Nutzung.

Ein zweiter Trend, den Burow beschrieb, ist der hin zu einer Personalisierung des Lernprozesses und einer damit einhergehenden neuen Lehrerrolle. Dies bedeute einerseits einen „Abschied vom Gleichschritt“ im Klassenverband und andererseits ein Öffnen der Lernumgebungen. Als Beispiel für eine gelungene Umsetzung dieses Gedankens zeigte Burow Bilder der Alemannenschule Wutöschingen, an der alle Schüler/-innen einen eigenen Arbeitsplatz haben und viele Entscheidungsspielräume erhalten, wann sie mit wem an welchem Inhalt arbeiten möchten. Schüler heißen hier „Lernpartner“, Lehrkräfte werden zu „Lernbegleitern“.

Verbunden mit beiden genannten Trends sind die restlichen fünf: Förderung einer Teamkultur, Schaffung einer gesunden Umgebung für alle, Stärkung von Demokratisierungsprozessen durch mehr Schülerbeteiligung, Veränderung des Lehr-/Lernraums und Orientierung am menschlichen Grundbedürfnis nach Glück. Zu Letzterem gab Burow zu denken, dass im Stress des Schulalltags oft der Kompass für das Gute und Richtige verloren geht, weil sich alle getrieben und gehetzt fühlen.

Die Festlegung von drei oder mehr Kernwerten in einem „Zukunfts-Code“ könne helfen, um eine Prüfregel für aktuelles und zukünftiges Handeln zu gewinnen. Diesen Code zu definieren, darin bestand die erste Aufgabe der Zukunftswerkstatt. Zuerst alleine, dann in Gruppen machten sich die Lehrkräfte Gedanken zu möglichen Kernwerten: Wie wollen wir an der GGO zusammenarbeiten? Im Plenum wurde anschließend über mögliche Kandidaten abgestimmt. Die AG Schulentwicklung wird in den nächsten Sitzungen an der endgültigen Formulierung arbeiten, doch Kernwerte mit hoher Zustimmung waren z.B. „offen“, „vielfältig“, „gemeinsam“ und „menschlich“.

Im zweiten Teil des Tages ging es um die Arbeit an einzelnen Bereichen. Jeder/Jede konnte ein Thema in Bezug auf die Weiterentwicklung der Schule benennen, das ihm/ihr am Herzen liegt und andere einladen, in einem „Open Space“ (einer Art ungezwungener Kaffeerunde) darüber zu sprechen. Themen waren u.a. „Umgang miteinander“, „selbstgesteuertes Lernen“, „Digitalisierung“, „Differenzierung“, „Soziales Lernen“ und „Vergabe von Funktionsstellen“. Am Ende wurden viele Ideen und konkrete Vorhaben im Plenum präsentiert.

In seiner Abschlussrede freute sich der Schulleiter Dr. Frank Reuber über die konstruktive Zusammenarbeit und bedankte sich bei Herrn Burow für seinen informativen und anschaulichen Vortrag. Er blicke dem Weg der Veränderung, den Burow als kurvenreiche „Reise“ bezeichnet hatte, optimistisch und gespannt entgegen.